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Folge 001 – Die Maus unter der Roteiche

Hallo, ihr Lieben, ich bin eure ErzählFee. Kuschelt euch jetzt ganz weich in eure Decke ein. Heute erzähle ich euch, wie die kleine Maus Caitlin im Schlossgarten zwei Hunde kennenlernte und ihnen mit der Zeit vertraute.

Ich kenne diese Tiere gut, ihr Lieben. Ich kenne Papa Markus und Mama Conny, und ich kenne die beiden australischen Schäferhunde Pinot und Bali. In dieser Reihe berichte ich von den Abenteuern, die sie über den Tag erleben.

Heute beginnen wir ganz am Anfang.

Im Schlossgarten an der Spree steht eine alte Roteiche. Ihre Blätter leuchten im Herbst wie kleine Laternen. Zwischen ihren dicken Wurzeln liegt ein winziges, warmes Mäusehaus. Dort wohnte Caitlin.

Caitlin war eine kleine Maus mit samtgrauem Fell und Schnurrhaaren, die bei jedem Geräusch zitterten. Sie sammelte gern Eicheln. Sie mochte den Morgen, wenn der Nebel über dem Wasser lag und alles still war.

Eines Morgens hörte sie Schritte auf dem Kiesweg. Es waren zwei Menschen und zwei Hunde. Caitlin huschte in ihr Wurzelhaus und hielt die Luft an.

Die Menschen waren Papa Markus und Mama Conny. Sie gingen jeden Morgen im Schlossgarten spazieren. Bei ihnen liefen Pinot und Bali.

Pinot hatte ein blaugraues Fell mit dunklen Flecken. Eines seiner Augen war hell wie ein Stück Himmel. Er war neugierig und steckte seine Nase überall hinein. Bali war etwas ruhiger. Ihr Fell war rotbraun wie die Blätter der Eiche, und sie schaute immer ganz sanft.

Pinot roch etwas Spannendes. Seine Nase führte ihn direkt zu den Wurzeln der Roteiche. Dort saß Caitlin, ganz klein und ganz still.

Australische Schäferhunde hüten gern. Das liegt ihnen im Blut. Pinot wollte nichts Böses. Er lief einmal im Kreis um den Baum, denn so machen es Hütehunde. Für Caitlin fühlte sich das an, als würde die ganze Welt sich drehen. Sie erschrak, quiekte leise und sauste tief ins Mäusehaus.

„Pinot, komm zurück“, sagte Mama Conny freundlich. „Das ist jemandes Zuhause.“

Pinot senkte den Kopf. Er merkte, dass er die kleine Nachbarin erschreckt hatte. Das tat ihm leid. Bali stupste ihn mit der Nase an, als wollte sie sagen: „Das macht nichts. Wir probieren es einfach noch einmal.“

Papa Markus setzte sich auf die Bank neben der Eiche. „Wir lassen ihr Zeit“, sagte er leise. „Vertrauen wächst langsam, wie ein Baum.“

Am nächsten Morgen kamen sie wieder. Pinot und Bali legten sich in einiger Entfernung ins Gras. Sie blieben ganz ruhig, mit den Köpfen auf den Pfoten. Caitlin lugte aus dem Wurzelloch und sah zwei freundliche Hundegesichter. Niemand lief im Kreis. Niemand bellte.

Am dritten Morgen lag Bali schon etwas näher. Sie schloss die Augen und seufzte tief. Caitlins Schnurrhaare zitterten schon ein bisschen weniger.

Am vierten Morgen legte Mama Conny eine Eichel in die Mitte des Weges. Die Eichel hatte sie unter der Roteiche gefunden. Caitlin wartete lange. Dann huschte sie hinaus, schnappte sich die Eichel und flitzte zurück. Pinot wedelte nur ganz leise mit dem Schwanz. Er blieb liegen und rührte sich nicht, obwohl er so gern gesprungen wäre. Darauf war er richtig stolz.

Von da an wurde es jeden Morgen ein kleines bisschen leichter. Caitlin kam ein Stück weiter heraus. Sie schnupperte an Balis warmer Pfote. Sie setzte sich in die Nähe von Pinots Schnauze und sah ihm in sein helles Auge. Pinot hielt den Atem an, damit er sie nicht wegpustete.

Dann kam ein Morgen, an dem Caitlin einfach auf Balis weichen Rücken kletterte. Dort kuschelte sie sich in das rotbraune Fell. Bali rührte sich nicht. Pinot legte sich dicht daneben und wachte mit.

Papa Markus und Mama Conny lächelten. Sie sagten kein Wort, denn manche Augenblicke sind zu schön für Worte.

Die Sonne stieg über die Spree, und die Blätter der Roteiche glänzten. Caitlin wusste jetzt: Diese beiden großen Hunde waren keine Gefahr. Sie waren Freunde. Und so begann das Rudel, zu dem Caitlin bald ganz selbstverständlich gehörte.

Schlaft schön, ihr Lieben, und träumt etwas Warmes und Weiches. Denkt daran, dass aus Angst ganz leise Vertrauen wachsen kann, wenn man sich Zeit lässt. Das wünscht euch eure ErzählFee.

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