Hallo, ihr Lieben, hier ist euer Erzählbär. Kuschelt euch jetzt ganz weich in eure Decke ein. Heute erzähle ich euch, wie das Hasenmädchen Livia das Malereck entdeckt hat.
Ich wohne am Rand des Waldes, und ich kenne diese Tiere gut. Da sind Papa Jens und Mama Evelyn. Und da ist ihre kleine Tochter Livia, der Gute Laune Hase. In dieser Reihe berichte ich euch von den Abenteuern, die sie über den Tag erleben. Nun kommt die erste Geschichte.
Es war ein warmer Morgen. Die Sonne kitzelte Livia an der Nase. Livia öffnete die Augen und lächelte sofort. Sie lächelt nämlich immer als Erstes. Darum nennt man sie den Guten Laune Hasen.
„Guten Morgen, liebe Sonne!“, rief sie.
In der Küche packte Mama Evelyn einen Korb. Sie legte Brot hinein, Möhren und Apfelschnitze. Dazu kamen eine Flasche Wasser, ein Blatt Papier und eine Schachtel bunter Stifte.
„Heute gehen wir dorthin, wo der Wald aufhört“, sagte Papa Jens. „Dort fängt der Sand an.“
„Hurra!“, rief Livia. Und schon hüpfte sie los. Hops, hops, hops.
Der Waldweg war weich vom Moos. Die Farne wippten leise. Irgendwo sang ein Vogel ein kleines Lied. Livia hüpfte immer ein Stück voraus und wartete dann auf Papa und Mama. Dann hüpfte sie wieder weiter. Hops, hops, hops.
Plötzlich wurden die Bäume weniger. Das Licht wurde hell und golden. Vor Livia lag der Strand. Der Sand war fein und warm. Das Wasser glitzerte, als hätte jemand tausend kleine Sterne hineingestreut.
Livia hüpfte um einen alten Baumstamm herum. Und da blieb sie stehen.
Hinter dem Stamm lag eine kleine, stille Ecke. Ein großer, flacher Stein stand dort wie ein Tisch. Rundherum lagen bunte Kiesel: rote, gelbe und blaue. Das Treibholz sah aus wie ein Pinsel, den ein Riese verloren hatte. Und die Sonne malte helle Streifen auf das Wasser.
„Oh“, flüsterte Livia. „Hier kann man malen. Das ist ein Malereck!“
Papa Jens und Mama Evelyn kamen langsam hinterher. Sie sahen die Ecke und lächelten.
„Ein Malereck“, sagte Mama Evelyn. „Was für ein schöner Name.“
„Das hast du ganz allein entdeckt“, sagte Papa Jens. „Das hast du fein gemacht, Livia.“
Livia strahlte. Mama breitete die Decke aus. Papa legte das Papier auf den flachen Stein. Livia setzte sich davor und nahm die Stifte in die Pfoten.
Sie wollte gerade anfangen, da seufzte sie ein wenig.
„Maus Maria wäre jetzt so gerne hier“, sagte sie. „Sie liebt Farben doch so sehr.“
„Maria ist heute bei ihrer Oma“, sagte Mama Evelyn sanft. „Aber du kannst ihr etwas mitbringen.“
Livia überlegte. Ihre Ohren stellten sich auf. „Ich male ein Bild für sie!“, rief sie. „Dann ist Maria ein bisschen dabei.“
Und sie fing an. Zuerst malte sie das Wasser in ganz viel Blau. Dann kam die Sonne, groß und gelb. Danach folgte der Wald, grün und weich. Ganz unten malte sie den Sand und den flachen Stein. Und obendrauf malte sie eine kleine graue Maus mit einem roten Sonnenhut.
„Das ist Maria“, sagte Livia. „Sie hat ein Stück Käse in der Pfote. Sie mag doch so gern Käse.“
„Sie sieht sehr glücklich aus“, sagte Papa Jens.
„Das soll sie auch“, sagte Livia.
Zuletzt legte Papa Jens einen Bleistift in ihre Pfote. Er half Livia beim Schreiben. Unten in die Ecke kamen die Worte: „Für Maria, von Livia.“
Dann aßen sie zusammen Brot, Möhren und Apfelschnitze. Die Wellen kamen leise und gingen leise wieder. Livia legte ihr Bild vorsichtig in den Korb, ganz oben, damit es nicht knickte.
Am Abend wurde der Himmel rosa. Die drei wanderten zurück durch den Wald. Livia hüpfte nicht mehr so viel. Sie gähnte einmal und noch einmal. Papa Jens nahm sie auf den Arm.
„Morgen zeigen wir Maria das Bild“, murmelte Livia. „Und dann zeigen wir ihr auch das Malereck.“
„Ja, das machen wir“, sagte Mama Evelyn.
Da schloss Livia die Augen. Sie lächelte immer noch. Und im Korb lag das Bild, blau und gelb und grün, und wartete auf den nächsten Tag.
Schlaft gut, ihr Lieben, und träumt von bunten Farben. Denkt daran, dass ein liebes Bild auch dann ein Gruß ist, wenn der Freund gerade weit weg ist. Das wünscht euch euer Erzählbär.