Hallo ihr Lieben! Hier ist Maria-Maus, eure kleine Maus mit den großen Ohren. Kuschelt euch schön ein, ich erzähle euch heute Nacht etwas vom Himmel.
Es war ein ruhiger Abend im Familiengarten. Die Sonne war schon untergegangen, und über dem alten Apfelbaum fingen die ersten Sterne an zu leuchten. Maria-Maus saß vor dem Mausbau, der tief zwischen den Wurzeln des Baumes lag, und wärmte ihre Pfötchen am weichen Moos. Ihre kleine Schwester Elisa schlief schon im Moosbett, und Mama Michalina deckte sie vorsichtig mit einem dicken Blatt zu. Papa Alexander polierte noch einmal die kleine Treppe aus Rindenstücken, die zum Bau hinaufführte.
Da hörte Maria-Maus ein leises Geräusch. „Rustel“, machte es hoch oben in den Ästen. „Rustel, und dann ein leises Plumps.“ Maria-Maus stellte die Ohren auf und schlich um den Stamm herum. Zwischen den Wurzeln, ganz dicht am Bau, lag etwas Kleines und Glitzerndes. Es war ein Stern. Ein echter, kleiner Stern, so groß wie eine Tasse, und er leuchtete nur ganz schwach.
„Hallo“, sagte Maria-Maus leise. „Bist du etwa vom Himmel gerutscht?“
Der Stern seufzte. „Ja“, sagte er. „Ich habe mich beim Spielen zu weit an den Rand gelehnt, und dann bin ich heruntergefallen. Zuerst landete ich im Apfelbaum, und dann rutschte ich weiter bis zum Boden. Jetzt bin ich müde und dunkel, und ich weiß nicht, wie ich nach Hause komme.“
Maria-Maus nickte bestimmt. „Keine Sorge“, sagte sie. „Bei uns im Familiengarten hilft man sich. Ich hole schnell meine Familie.“
Sie tippelte in den Bau. Mama Michalina gab Elisa ein weiches Kuscheltuch in die Pfoten und kam mit heraus. Papa Alexander schaute sich den Stern lange an und legte seine große warme Pfote darüber. „Der Kleine friert“, sagte er. Da holte Mama Michalina das weichste Moos aus dem Schlafwinkel und wickelte den Stern sanft hinein.
Elisa war vom Rauschen leise aufgewacht. Sie kicherte ganz sacht in ihr Kuscheltuch. Und sieh mal an: Bei jedem leisen Kichern glitzerte der Stern ein kleines bisschen heller.
„Du musst wieder ganz nach oben“, sagte Mama Michalina und strich dem Stern über das Moosbett. „Der Himmel ist weit. So klein und müde, wie du jetzt bist, schaffst du den Weg allein nicht.“
Papa Alexander nickte und zeigte am Stamm hinauf. „Der alte Apfelbaum ist hoch“, sagte er. „Aber oben in seiner Krone ist der Himmel ganz nah. Ich kenne jeden Ast, ich pflücke dort jeden Herbst die Äpfel. Wir tragen dich hinauf, du kleiner Stern.“
Also machten sie sich auf den Weg. Mama Michalina band das Moosbett mit Grashalmen auf Papas Rücken fest. Elisa durfte in einer Trage aus weichen Blättern vor Mamas Bauch sitzen. Und Maria-Maus kletterte neben Papa her und erzählte dem Stern von ihrem Garten: von den glatten Kieselsteinen am Teich und vom Apfel, der im Herbst am weitesten nach rechts wächst.
Ast für Ast kletterte die Familie höher. Der Wind rauschte leise in den Blättern, und unten im Gras raschelte ein Käfer in sein Versteck. Ganz oben, in der Krone des Baumes, hörten die Äste plötzlich auf. Der Himmel öffnete sich weit, und die Sterne funkelten zum Greifen nahe.
„Wir sind da“, flüsterte Papa Alexander. Aber der Stern leuchtete nur noch ganz schwach. „Ich habe keine Kraft mehr“, sagte er leise. „Ohne Licht finde ich meinen Platz oben nicht.“
Da schaute Maria-Maus auf ihre kleine Schwester. „Elisa“, flüsterte sie, „du bist unser Glitzerlicht. Kichere doch noch einmal für den Stern.“ Elisa schaute den Stern an, duckte sich halb in ihr Kuscheltuch und kicherte. Dann kicherte sie lauter, weil Maria-Maus ihr die Ohren lustig hin und her schwang.
Und der Stern fing an zu glitzern. Er wurde heller und heller, bis er hell wie eine kleine Laterne strahlte. „Danke“, rief der Stern. „Jetzt spüre ich meine Kraft wieder.“ Langsam hob er vom Moosbett ab, stieg zwischen den Ästen hinauf und schwebte höher und höher, bis weit über den Apfelbaum. Dann fand er seinen Platz am Himmel und leuchtet seitdem jede Nacht.
Die Familie kletterte im Dunkeln vorsichtig wieder hinunter. Mama trug Elisa, die schon wieder halb eingeschlafen war. Papa trug das leere Moosbett, und Maria-Maus ging als Letzte und schaute immer wieder nach oben. Der Stern stand genau über ihrem Apfelbaum und leuchtete hell und treu.
Zu Hause im Bau kuschelte sich jeder an seinen Platz. Elisa lag in ihrem Moosbett, Mama Michalina und Papa Alexander legten sich dazu, und Maria-Maus zog ein Blatt als Decke herauf. Draußen leuchtete ihr Stern, die ganze Nacht lang, ganz still und ganz nah.
Schlaf gut, ihr Lieben. Und wenn ihr heute Nacht aus dem Fenster schaut, dann sucht den hellsten Stern über dem Apfelbaum. Vielleicht zwinkert er euch zu, so wie der Stern von Maria-Maus und ihrer Familie. Gute Nacht.